Gedanken in unruhigen Zeiten
Vom Glück, ein Zuhause zu haben
Aktuell ist es fast unmöglich, Informationen über die Welt zu erhalten, ohne Grauen, Ekel, Unverständnis, Zorn und Wut zu empfinden. Wo nicht eindimensionale Gesellschaften ihre Menschen in ein finsteres Mittelalter zurückzerren, wird mit den technischen Errungenschaften so umgegangen, wie nur ein blinder, verfressener und gleichgültiger Zauberlehrling es kann.
Statt allen Menschen alles Wissen und alle Kultur zugänglich zu machen, wird es gestohlen und in die Verwurstungsmaschine KI gestopft, die das Ende des Denkens, das Ende menschlicher Kreativität bedeutet. Was nicht nur für den Output gilt, sondern auch für die Gehirne, die sich darauf einlassen, diese Stützräder zu verwenden. Die Gier dominiert die Schlagzeilen und drängt sich vor die Vernunft, Mäßigung, vor Lösungsorientiertheit und Solidarität. Es scheint so, als würde die Zivilisation des Homo Sapiens die These bestätigen, das Gesellschaften sich vernichten, bevor es ihnen ernstlich gelingt, ins All vorzudringen. Weg vom Zuhause, unserer Erde, die wir schon umgestaltet, von unten nach oben gekehrt, zugepflastert, eingedämmt, monotonisiert haben.
Unsere Erde, die da, wo ich gerade bin, vom Winter in den Frühling übergeht, vom Schlafen ins Wachen. Als wären wir nicht zum Untergang geweiht, schieben die Bäume Blätter in erlesenem Grün aus dem dunklen Holz, schmettern und piepen die Vögel und zupfen Moos für das neue Nest, das Zuhause des Nachwuchses, von denen nur ein kleiner Teil so lange leben wird, um im nächsten Frühling selber Moos zu sammeln, während ihre Geschwister dem Nachwuchs von Krähe und Eichhorn, Fuchs und Marder die hungrigen Mägen füllen.
Hier im Bett sitzend, zwischen Schlaf und Arbeit, den Kaffee von einem anderen Kontinent genießend, habe ich ein Buch und einen Stift, eine Katze, die den morgendlichen Inspektionsgang beendet hat. Um mich herum Dinge, die Zukunft oder (mehr) Vergangenheit repräsentieren. Ein nach außen gestülptes Ich mit deutlich mehr Kram statt Glanz. Bin ich nicht der wahr gewordene Traum meiner Vorfahrinnen in all der gegenwärtigen Sicherheit, Sorgenlosigkeit, Bequemlichkeit?